Camping in Flandern und der Normandie

Im Februar schon hatten wir die Reise nach Flandern und der Normandie geplant. Camping erfreut sich einer unglaublichen Beliebtheit und so ist es ratsam, sich frühzeitig um Stellplätze zu kümmern. Gerade weil leider die meisten Campingplätze immer noch nicht barrierefrei sind! Ein Zustand, der mich wirklich ärgert.

Wir schmücken unseren Camper mit ein paar Schafsfellen, packen unseren Anhänger und machen uns auf den Weg nach Nieuwpoort in Flandern. Wir haben eine Parzelle an der Yser, einem rund 78 km langen Küstenfluss im Grenzgebiet zwischen dem französischen und belgischen Flandern, auf dem Kompass Campingplatz gebucht.

Nieuwpoort, Flandern

Unser Stellplatz direkt am Kanal Yser

Der Campingplatz ist schön angelegt, die sanitären Anlagen sind sauber und barrierefrei. Die Toilette ist mit Haltegriffen und die bodenebenen Dusche mit einem Duschsitz ausgestattet. Die Wege sind asphaltiert oder mit gut befahrbarem Schotter angelegt. Die Rezeption, ein Restaurant und ein kleiner Supermarkt sind stufenlos erreichbar.

Abendspaziergang an der Yser
Abendspaziergang an der Yser

Vom Campingplatz zum Stand sind es knapp sechs Kilometer, die sich über gut ausgebaute Radwege sehr gut zurücklegen lassen. Der Strand ist traumhaft breit, Dünen umsäumen den feinen Sand. Bis an den Strand geht ein asphaltierter Steg, der im unteren Teil jedoch von Sand bedeckt ist. Für mein Zuggerät stellt das kein Problem dar, wer aber ohne Antrieb unterwegs ist, dürfte seine liebe Mühe haben. Ich habe keine Ahnung, ob sich in der Nähe ein wirklich barrierefreier Strand befindet. Wir haben uns ohnehin nicht auf einen Badeurlaub eingestellt, insofern ist das für uns okay. Es ist auch so toll, das Meer zu sehen, zu hören und riechen.

Unterwegs zum Strand, Nieuwpoort
Am Strand in Nieuwpoort
Am Strand in Nieuwpoort

Le Tilleul und Étretat, Normandie

Nach ein paar Tagen packen wir unsere sieben Sachen wieder zusammen und machen uns auf den Weg nach Le Tilleul in der Normandie. Le Tilleul ist eine französische Gemeinde mit etwa 690 Einwohnern im Département Seine-Maritime in der Region Normandie. Der gepflegte, wohl ganz neu renovierte Campingplatz Abijune ist sehr schön auf einem Hügel gelegen. Irgendwo auf der Website hatte ich etwas von Barrierefreiheit gelesen und den Platz gebucht.

Gepflegter Campingplatz Abijune in Le Tilleul

Vor Ort zeigt sich, dass die mit einem tiefen, feinen Splitt neu angelegten Wege mit einem Rollstuhl gar nicht, mit einem Fahrrad schwer zu befahren sind. Selbst mein Zuggerät kapituliert, weil sich das Antriebsrad tief in den Untergrund fräst. Den Weg zur Toilette und Dusche kann ich nur mächtig Staub aufwirbelnd mit Zuggerät und kräftigem Schieben zurücklegen.

In der geräumigen „barrierefreien“ Toilette fehlen die Haltegriffe. Für mich ist das kein Problem, ich kann mir aber vorstellen, dass viele Rollstuhlfahrer damit nicht zurecht kommen. Der putzige, abklappbare Duschsitz in Miniature ist nur etwas für wagemutige Zeitgenossen. Ich probiere ihn aus und … fühle mich unsicher.

Unser Stellplatz in Le Tilleul, Camping Abijune

Der Betreiber kümmert sich wirklich rührend und versucht alles, um mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Er verspricht, hier in Zukunft nachzubessern und spezielle Stellplätze anzubieten. (Wenn ich ihn richtig verstanden habe.) Es lohnt sich also, den Platz in Zukunft im Auge zu behalten.

Irgendwie geht es ja immer und am Ende bin ich froh, dort zu sein. Schließlich liegt der Campingplatz ganz nur knapp drei Kilometer entfernt von Étretat, dem eigentlichen Ziel unserer Tour in die Normandie. Bekannt ist Étretat vor allem durch die steilen Felsklippen mit ihren außergewöhnlichen Felsformationen, die den Ort auf beiden Seiten umrahmen. Im Ort gibt es zahlreiche Hotels, Restaurants und Souvenirläden und ist damit auf den Tourismus ausgerichtet.

Der Weg nach Étretat ist zwar recht kurz aber steil. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, freut sich über eine Elektro-Unterstützung. Allerdings lohnt die Mühe! Wir genießen die Zeit dort sehr und die Landschaft ist atemberaubend.

Steilküste bei Étretat
Steilküste Étretat
Steilküste Étretat
Étretat
Blick auf Étretat
An der Strandpromenade in Étretat
An der Strandpromenade in Étretat
Étretat
Étretat

Presles-et-Boves, Ardennes-Champagne

Auf dem Rückweg steuern wir für zwei Übernachtungen den Campingplatz Domaine de la Nature in Presles-et-Boves, rund 40 Kilometer vor Reims an. Keine Ahnung, was uns dorthin verschlägt. Außer Natur, einem schönen Kanal und viel Ruhe gibt es dort kaum etwas. Dennoch, der Platz ist schön gelegen, die sanitären Anlagen uralt aber sauber und recht barrierefrei. Der Preis? Unschlagbar.

Camping Domaine de la Nature
Camping Domaine de la Nature

Der Gastgeber ist unglaublich zuvorkommend und bemüht. So schmeißt er abends extra für uns Pfanne und Fritteuse an und zaubert leckere Cheeseburger mit Pommes. Klasse!

Unser Stellplatz in Presles-et-Boves
Camping Domaine de la Nature – Unser Stellplatz
Aperitif am späten Nachmittag
Aperitif am späten Nachmittag in der Nachbarparzelle
Soo lecker, Cheeseburger mit Pommes von Guillaume
Soo lecker, Cheeseburger mit Pommes von Guillaume

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4 Comments on “Camping in Flandern und der Normandie”

  1. Hallo Christof, es hat Euch sichtlich gefallen, toll! Unser Ziel war oft die Bretagne, der Platz Camping des Abers.
    Ein Zwischenstop in Höhe der Normandie gehörte immer dazu, sonst wirds zu lang.

    Aber ob der Platz nun barrierefrei ist…muss ich mal reflektieren. Zum Großteil ja, aber ich bin noch nicht so fit wie Du. Mein Handbike ist auch noch nicht da.

    Dort kannst Du mit Deinem Gespann bei Ebbe kilometerweit ins trocken gefallene Meer, der Sand ist dort fest. Muscheln sammeln, Garnelen fangen, vielleicht noch einen Wolfsbarsch…und abends mit Nudeln…hmmm.

    Auf jeden Fall hattet Ihr eine schöne Zeit, das ist toll zu lesen!

    Bis bald wieder, vielleicht mache ich demnächst einen Blog zum Thema Angeln mit Rollstuhl.

    Grüße, Mirko

    1. Hey Mirko,

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Der Platz Camping des Abers sieht super aus und ist wohl barrierefrei. Ich habe mir gerade mal die Website angesehen.
      Auf deinen Blog bin ich sehr gespannt. Melde dich mal, wenn es soweit ist. Ich bin zwar kein Petrijünger, aber ich finde es super interessant, die Passionen anderer Rollifahrer kennenzulernen. Und vielleicht geht mir ja auch mal ein dicker Fisch ins Netz – oder an den Haken. 🙂

      Viele Grüße
      Christof

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