Behindertengerechter Autoumbau

Ein behindertengerechter Autoumbau ermöglicht Menschen mit einer Behinderung eine selbstbestimmte Mobilität. Das ist wertvoll und erstrebenswert. In diesem Artikel beschreibe ich meinen Weg zu einem Fahrzeug, in das ich mit dem Rollstuhl einfahren kann und das Auto selbst steuern kann.

Seit mittlerweile acht Monaten kutschiert mich der Peugeot Traveller durch die Lande und es wird Zeit, dass ich meinen kleinen großen Liebling hier mal vorstelle.

Weil das hier kein Auto-Blog ist, geht es mir vordergründig nicht um einen Testbericht des Peugeot, sondern um den behindertengerechten Umbau und um die Alltagstauglichkeit des Wagens.

Willkommen an Bord 🙂

Peugeot & Paravan

Die Firma Paravan in Aichelau auf der Schwäbischen Alb ist auf den behindertengerechten Umbau von Autos spezialisiert und baut pro Jahr einige hundert (!) Fahrzeuge um. Die Menschen dort sind vom Fach und wissen ziemlich genau, was sie tun.

Deswegen wandte ich mich an Paravan. Ich hatte gehört, dass sich der Peugeot-Traveller-Umbau speziell für groß gewachsene Rollstuhlfahrer eignet, weil der Boden des Fahrzeuginnenraums tiefer angeordnet werden kann und so eine wirklich komfortable Innenhöhe entsteht. Insbesondere das Einfahren über den Kassettenlift gestaltet sich so vollkommen unproblematisch, weil die Durchfahrthöhe großzügig bemessen ist.

Besuch bei Paravan
Besuch bei Paravan – Es ist vorteilhaft, wenn du vieles ausprobieren und anfassen kannst.

Behindertengerechter Autoumbau – Kostenträger & Antrag

In Deutschland gibt es verschiedene Kostenträger, die – wie der Name schon sagt – die Kosten für einen behindertengerechten Autoumbau tragen. Je nach Fall, kommt, die Krankenkasse, die Rentenversicherung, die Berufsgenossenschaft, das Arbeitsamt oder andere für die Kosten auf. Findet sich kein Kostenträger, können ggf. Stiftungen und Vereine unterstützen. https://www.mobil-mit-behinderung.de

Ich habe meinen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt. Die Rentenversicherung möchte Menschen mit Behinderung möglichst lange im Arbeitsprozess halten und stellt dafür Hilfsmittel zur Teilhabe am Arbeitsleben zur Verfügung.

Zunächst einmal brauchte ich ein verkehrsmedizinisches Gutachten, aus dem hervorgeht, welche Umbauten ich benötige, um ein Auto sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Im wesentlichen ist das

  • Handbedienung (Gasring und Bremshebel)
  • Kassettenlift um mit Rolli in das Fahrzeug zu gelangen
  • Transferkonsole, die ein Umsetzen vom Rolli auf den Fahrersitz ermöglicht.

Der Kostenträger ist natürlich bestrebt, die Penunsen zusammen zu halten. Deswegen ist es unerlässlich, ihm verständlich zu machen, welches Fahrzeug die individuellen Bedürfnisse am besten erfüllt. Persönliche Vorlieben alla Wünsch Dir was zählen da nicht. Wer sich intensiver damit beschäftigt, wird jedoch Argumente finden, die eine Auswahl des gewünschten Modells unausweichlich machen.

Zu dem Antrag gehören einige Unterlagen und Bescheinigungen, doch alles in allem ist das gut zu machen. Schon bei der Antragstellung stand mir Mobilitätsberater Joachim Glück von Paravan perfekt zur Seite.

Warum Paravan und Peugeot?

Vom ersten Kontakt mit Paravan an, hatte ich das gute Gefühl, wir arbeiten an einer gemeinsamen Sache. Die freundliche, unkomplizierte und professionelle Art von Herrn Glück und seinen Kollegen trug entscheidend dazu bei. Bei meinem ersten Besuch in Aichelau schaute ich mir viele Fahrzeuge an und probierte vieles aus. Es erwies sich als sehr vorteilhaft, dass so viele unterschiedliche Fahrzeuge vorhanden waren. Zu guter letzt fiel meine Entscheidung auf den Peugeot Traveller. Peugeot gewährt Menschen mit Behinderung einen Rabatt von 30 %, was die Anschaffung des Grundfahrzeuges deutlich günstiger macht.

Von der Beantragung des Umbaus bis zur Bewilligung durch die Rentenversicherung dauerte es ein gutes halbes Jahr. Die Wartezeit für den Traveller betrug vier Monate und der Umbau bei Paravan dauerte dann circa acht Wochen. Igendwann war es dann soweit und ich konnte meinen Bus in Aichelau abholen. Für die Übergabe des Fahrzeugs hatten wir zwei Tage veranschlagt, so dass wir ausreichend Zeit hatten alles einzustellen, auszuprobieren und anzupassen.

Die Übergabe gestaltete sich absolut entspannt in einer wirklich guten Atmosphäre. Du spürst regelrecht, dass den Paravan-Mitarbeitern genau das am Herzen liegt. Obwohl es jede Menge zu lernen gab und hier und da noch etwas angepasst werden musste, hatten wir viel Spaß zusammen. Am Ende fuhr ich mit einem tollen Gesamtpaket nach Hause.

Angenehmes Fahren im Peugeot Traveller
Ich konnte es mir nicht vorstellen, … mittlerweile liebe ich das Busfahren.

Behindertengerechter Autoumbau – alltagstauglich?

Weil ich mich mit derartigen Umbauten bisher überhaupt nicht auskannte, hatte ich Bedenken, dass ich immer wieder an Grenzen stoßen würde, die mich herausfordern würden. Insbesondere die eingeschränkte Bodenfreiheit wegen des – unter dem Fahrzeugboden angebrachten – Kassettenlifts machte mir Sorgen.

Nach 15.000 Kilometer kann ich Entwarnung geben. Mittlerweile habe ich ein Gespür für möglicherweise kritische Situationen (Parkhäuser, steile Rampen …) bisher war jedoch fast alles ohne Probleme machbar.

Die Handhabung des Autos funktioniert sehr gut. Da zahlt sich die intensive Beratung durch Paravan aus. Das Ein- und Aussteigen, das Umsetzen auf den Fahrersitz ist recht komfortabel machbar. Das Fahren mit Gasring und Bremshebel kenne ich bereits seit Jahren.

Der Peugeot Traveller entstammt dem PSA-Konzern und ist nahezu baugleich mit dem Citroën Spacetourer, dem Toyota Proace und dem Opel Zafira life. Die Busse sind in drei Längen erhältlich. Ich habe mich für die längste Version entschieden, weil ich dachte: “Wenn schon, denn schon …“ Meine Entscheidung habe ich bisher nicht bereut. Die 5,30 Meter bieten unglaublich viel Platz und sind im Alltag sehr gut zu handhaben. Dank Rückfahrkammera ist auch das Einparken kein Problem.

Viel Platz im Peugeot Traveller
Viel Platz im Peugeot Traveller.

Einstieg seitlich oder hinten?

Bei Umbauten dieser Art gibt es zwei verschiedene Anordnungen des Liftes: seitlich oder hinten. Die Verfügbarkeit ist auch (aber nicht nur) vom Fahrzeug abhängig. Die Position des Einstiegs bestimmt maßgeblich das Vorgehen beim Parken. Für das Ausfahren des Lifts benötigst du entsprechend Platz neben oder hinter dem Fahrzeug. Natürlich ist das nicht immer ganz einfach aber ich habe mittlerweile einen ganz guten Blick, wo ich mich hinstellen kann. Wenn es nicht anders geht, parke ich auch mal unkonventionell. Bisher habe ich keine schlechten Erfahrungen damit gemacht.

Bei der Anordnung des Lifts hinten ist zu beachten, dass du mit dem Rolli der Länge nach durch den Bus fahren musst. Daraus ergibt sich nur sehr eingeschränkt Raum für Gepäck oder Mitfahrer.

Zuverlässigkeit

Die Zuverlässigkeit eines behindertengerechten Fahrzeugs ist enorm wichtig. Was nützen die tollsten Einbauten, wenn du in der Pampa stehst und sie funktionieren nicht.

Bisher hatte ich nur mit Kleinigkeiten zu tun, die sich schnell beheben ließen. Alles in allem bin ich von der Zuverlässigkeit des Wagens überzeugt. Die von Paravan vorgenommenen Umbauten machen einen guten Eindruck und sind richtig dimensioniert. Hier zahlt es sich einfach aus, das Paravan viel Erfahrung hat.

Ein Fahrzeug, in das du mit dem Rolli einfahren kannst, bietet unglaublich viele Vorteile und lässt mich entspannt unterwegs sein. Die Verladung des Rollstuhls entfällt nun und ich komme bei Wind und Wetter sicher in das Auto.

Links:
https://www.paravan.de/produktloesungen/automobilumbauten/selbstfahrer-beifahrer/paravan-peugeot-traveller


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